Der Krampf mit der Kiste

 24. November 2006, veröffentlicht von Alexander

“Es gibt Autos, die vermitteln sich nicht über die Länge ihrer Motorhaube oder über die Dicke ihrer Auspuffrohre, sondern über die Courage ihrer Käufer”. Mit diesem wunderschönen Satz begann Skarics vor einigen Jahren seinen Ausführungen zu den FIAT Modelle Doblo und Multipla, zwei Fahrzeuge also, die gemeinhin als wenig attraktive, aber manchmal dann doch als “irgendwie clever” beschrieben werden und daher ein eher tristes Nischendasein fristen (müssen).

Mir ist ja bekanntlich jede Gelegenheit willkommen, darauf hinzuweisen, dass ich persönlich kein Anhänger der “big flat TV”-Fraktion bin, bei denen die Größe des Fernsehers nach wie vor so gerne als Statussymbol gehandelt wird. Auch, wenn sich in den vergangenen Jahrzehnten Heerscharen von Psychologen ihre ganz eigenen Meinungen über das Phänomen “lange Motorhaube” bilden konnten, so muss ich dann doch zugeben, dass der Vergleich zwischen (langen) Motorhauben und (großen) Displays nicht in allen Belangen stimmig ist. Dabei darf sich das Argument angeführt werden, dass sich im Bezug auf die Größe des heimischen Fernsehers herrlich argumentieren lässt, dass große Displays nützlich, ja sogar sinnvoll sind … “Mann” sieht eben einfach besser auf diesen Dingern.

Dennoch ist mir das Gehabe um große Fernseher ein Graus, ebenso wie das mir so unerklärliche Verlangen nach möglichst vielen Fernsehkanälen. Wobei wir dann endlich beim Thema wären, denn der Fernseher ist für mich nichts weiter als eine überholte Technik aus der Klamottenkiste der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts. Eine Diskussion über die beiden oben genannten Punkte ist mir aber insbesondere aufgrund zweier wesentlicher Aspekte so wichtig. Zum einen halte ich es für möglich, dass ein “TV-Fokus” durchaus dazu führen kann, dass Menschen und sogar ganze Familien Ihre Wohnstube wie selbstverständlich um den Fernseher herum organisieren. Dieses Ding bestimmt somit, welches Möbelstück wohin gestellt wird bzw. werden darf, wie die Menschen zusammen (?) sitzen und wozu ein solcher “Wohn”-Raum letztendlich überhaupt noch genutzt werden kann.

Zum anderen führt dies aber auch dazu, dass die Fläche im eigenen Haushalt, die den Anbietern von mehr oder weniger sinnvollen TV-Inhalten zur Verfügung gestellt wird, immer weiter wächst. In der Summe könnte das durchaus dazu führen, dass einem dadurch nicht nur vorgeschrieben wird, was geschaut werden kann/darf/soll, sondern auch, wie die eigenen vier Wände organisiert werden.

Damit erst gar keine Missverständnisse entstehen: Natürlich übertreibe ich bewusst, aber dennoch sehe ich hier den Ansatzpunkt zu einer wichtigen Diskussion. Eine Sache ist in diesem Zusammenhang doch besonders ärgerlich: Nun haben wir schon diese viel versprechende neue Technikwelt und alles, was uns als Konsumenten dazu einfällt, ist “mehr” von dem nachzufragen, was es schon so lange gibt: Mehr Bildschirmdiagonale und natürlich mehr Programme. Reicht das tatsächlich aus, um den angeblich so anspruchsvollen Konsumenten zufrieden, ja sogar begeistern zu können? In den aus heutiger Sicht eher amüsanten medialen Zukunftsvisionen aus vergangenen Jahrzehnten, wie beispielsweise dem Film “Fahrenheit 451“, gehörten große Fernseher ebenfalls zur Grundausrüstung des modernen Eigenheims, aber immerhin waren die dort gezeigten Programme anders, weil auf interessante Weise interaktiv.

Ich persönlich halte ein kleineres, aber dafür mobiles Display für durchaus sinnvoller, das es mir ermöglichen würde, jederzeit und vor allen Dingen an verschiedenen Räumen des Hauses Filme und Videos anschauen zu könnte. Wer sein Haus mit mehreren Kindern teilt, wird diesen Vorteil sicher zu schätzen wissen. Dennoch bin ich der Idee eines großen Displays an zentraler Stelle nicht grundsätzlich abgeneigt, denn auch das hat durchaus seinen Reiz.

Sinnvoll wäre daher eine Diskussion über die Distribution verschiedener Medieninhalte und die jeweils optimale Möglichkeit, diese darzustellen. Aber wie könnte das aussehen … ?!?

 

Alexander ReppelÜber den Autor:
Alexander Reppel ist Lecturer im Fach Marketing am Royal Holloway College der Universtät London. Die iDelphi-Webseite hat er ins Leben gerufen, da ihm in seinem Bekanntenkreis schon lange niemand mehr zuhört, wenn er über die Firma Apple philosophiert.
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Eine Reaktion zu “Der Krampf mit der Kiste”

  1. Mirko

    Es ist schon Merkwürdig, wenn man heutzutage ein Fernseher kaufen möchte. Jeder Verkäufer, wo man fragen tut. ,,Sie müssen einen großen Flachbildschirm sich Kaufen”.
    Warum ?? Nur damit ich sagen kann ich habe mir auch einen großen gekauft??.
    Ist schon sagenhaft. Wie wir durch die Werbung beeinflusst werden.

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