iPhone: Erstmal dünne Bretter bohren?

 9. Dezember 2006, veröffentlicht von Alexander

Schenkt man den zahlreichen Experten Glauben, so sieht es ja nun tatsächlich danach aus, dass ein iPhone nicht mehr weit ist. Interessant finde ich dabei den Hinweis, dass es wohl zunächst einmal mit einem einfachen Modell losgehen wird, dass einen iPod nano um Standard-Mobilfunktechnologien ergänzen wird.

Interessant ist das deshalb, weil Apple mit dem Ur-iPod einen für die Firma neuen Markt genau andersherum aufgerollt hat, nämlich von oben nach unten. Der 1G iPod bot von Anfang an deutlich mehr als die Konkurrenz und Modelle für untere Marktsegmente wurden erst nachträglich entwickelt.

Im Gegensatz zum Mobilfunkmarkt war der Markt für MP3-Player damals allerdings noch sehr un(ter)entwickelt, was es für einen neuen Anbieter natürlich einfacher machte, eigene Akzente zu setzen und somit den Markt insgesamt zu formen. Da nun aber mittlerweile wirklich jeder aufgeklärte Handy-Kunde kapiert hat, dass es ohne spaßige Klingeltöne, schnittigen Urlaubsbildern direkt vom Strand und höchst relevanten on-demand News einfach nicht mehr geht, ist es im Mobilfunkmarkt mit dem Setzen eigener Akzente nicht ganz so einfach. Die Erwartungshaltung der Millionen von Kunden ist einfach riesig, weil es ja schon irgendwie alles gibt, nur eben noch nicht so, wie man es gerne hätte.

Betrachtet man nun aber die Apple-Produkte der letzten Jahre, fällt auf, dass im Notfall auch gerne einmal einzelne Features mit Blick auf das Gesamtkonzept geopfert werden. Ein iPod mit FM-Tuner? Fehlanzeige. Ein Mac mini mit eingebautem TV-Tuner? Negativ. Der 2G shuffle jetzt dann doch mit Display? Nö.

Apple wäre eben nicht Apple, wenn es bereit wäre, den Gesamtnutzen der eigenen Produkte zugunsten der technischen Features aus den Augen zu verlieren. Daher würde ich mich persönlich auch nicht nur nicht wundern, sondern eben auch sehr freuen, wenn es sich beim ersten iPhone tatsächlich um einen iPod nano handelt, mit dem man dann auch telefonieren kann. Mit etwas Glück lassen die Entwickler gleich die Tastatur weg und beschränken sich vollständig auf das Click-Wheel.

Das würde sicher den ein oder anderen Analysten enttäuschen, hätte aber den Vorteil, dass Apple im Mobilfunkmarkt eben doch eigene Akzente setzen könnte, ohne sich gleich auf ein “Feature-Wettrüsten” mit Konkurrenten einzulassen, die den Markt bisher ganz gut im Griff haben. Weitere Modelle können ja dann folgen - sei es nun in der Form eines “Smartphones” oder eines “iChat Phones”.

Eventuell entwickelt sich das erste Apple iPhone ja so wie Nintendos Handheld Konsole DS - im Vergleich zu bisherigen Modellen komplett anders, von der Riege der Technik-Machos mit Verweis auf die Sony PSP zunächst verlacht, hat das Dingen in kürzester Zeit sämtliche Konkurrenten weit hinter sich gelassen.

Aufgrund anderer Voraussetzungen ist ein Vergleich zwischen Apple und Nintendo nicht ganz stimmig, unterstreicht aber dennoch, dass Firmen immer wieder von Kunden überrascht werden, denen “gut genug” einfach nicht reicht. Wie sagt man in so einem Fall? “Und das ist auch gut so!”

 

Alexander ReppelÜber den Autor:
Alexander Reppel ist Lecturer im Fach Marketing am Royal Holloway College der Universtät London. Die iDelphi-Webseite hat er ins Leben gerufen, da ihm in seinem Bekanntenkreis schon lange niemand mehr zuhört, wenn er über die Firma Apple philosophiert.
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