MacPro mini oder MacSemiPro

 1. Dezember 2006, veröffentlicht von Alexander

Mehrere Studienteilnehmer hatten sich für die WWDC 2006 einen Mac gewünscht, der zwischen dem Mac mini und dem neuen MacPro positioniert würde. Ein solches Gerät wurde von vier Teilnehmern als “MacPro mini” und von zwei Teilnehmern als “MacSemiPro” bezeichnet. Die Begründungen der Teilnehmer waren besonders interessant, da hier primär auf zwei Aspekte abgestellt wurde: Zum einen das Verlangen nach “iMac-Leistung” ohne ein Gerät mit eingebautem Bildschirm kaufen zu müssen, zum anderen aber die Einschätzung, dass ein solches Produkt ganz allgemein “in der [Apple Produkt-] ROADMAP Sinn” macht.

Alternative Apple Modell-Matrix
Eine mögliche Modell-Matrix, basierend auf den Ergebnissen der MacStudies 2006

Der folgende Kommentar bringt den ersten Aspekt sehr klar auf den Punkt:

“Als Besitzer eines etwas betagten PowerMac G4 kann ich nur sagen, dass ich eher gehofft hätte, dass es eher eine kleinere Variante davon gegeben hätte. Der Cube war schon der richtige ansatz, aber das fehlte der eine PCI-Slot um sicher aufzurüsten. Der Mac Mini ist da nochmals viel zu klein. Der Cube bot zwar die Mögliuchkeit, die Grafikkarte zu tauschen, aber das war sehr eingeschränkt. Eine zweite Festplatte ist leider nicht Möglich. Mir fehlt zunehmend solch ein Produkt, da ich meinen G4 ersetzen wollte und das mit einem nachfolger, aber solch ein Mac Pro im G5 Tower wäre da überladen. Leider bietet der iMac und MacMini nicht genug, um die Lücke dazwischen zu füllen.”

Hier zeigt sich, wie fließend die Übergänge zwischen den beiden wesentlichen Gründen für einen MacPro mini tatsächlich sind. Es darf sicher angenommen werden, das sich eine ganze Reihe von Mac-Usern in einer vergleichbaren Situation befinden und ebenfalls daran denken, ihren älteren G4 PowerMac zu ersetzen. Diese Nutzergruppe steht natürlich vor dem Problem, dass es zwar mittlerweile deutlich leistungsstärkere Geräte gibt, diese aber nicht auch die Möglichkeiten der PowerMac Serie, insbesondere mit Blick auf die Erweiterbarkeit, bieten. Auch, wenn sowohl der Mac mini, als auch die iMac-Serie mittlerweile ein sehr anständiges Preis-/Leistungsverhältnis bieten, so fehlt es dem ein- oder anderen Nutzer doch an einem erschwinglichen Gerät, dass durch eine gewisse Erweiterbarkeit zumindest Zukunftssicherheit suggeriert.

MacCube - (c) Isamu Sanada
Abbildung von Apple-Style.com; © copyright Apple-Style.com

Ein weitere Teilnehmer unserer Studie beschäftigt sich in seiner Begründung ebenfalls mit diesem Punkt. Zusätzlich wird hierbei auf den - aus Sicht Apples - wichtigen Punkt eingegangen, dass eventuelle “Switcher” aus dem Windows-Lager bei Apple bisher noch kein Gerät finden, dass sich mit den üblichen Windows-PCs vergleichen liesse:

“Mit dem “Mac Pro mini” würde ich generell eine Abrundung der PowerMac-Reihe nach unten hin ansehen — ob dies ein eigenständiges Modell ist mit völlig eigenem Aussehen, oder ob es eine besonders ausgestattete Version des normalen PowerMacs ist. Apple _braucht_ einen günstigen (oder wenigstens günstigeren) Einstieg in die Pro-Desktop-Welt. Die Zeiten, in denen man bei 2000 Euro erst in die gehobene Liga einsteigen konnte, sind vorbei, nur bei Apple noch nicht. Das kann und darf nicht sein, 2000 Euro sind zuviel, (fast) egal, wieviel diese 2000-Euro-Maschine dann kann. Apple sollte einen Einstieg unter 1500 Euro erreichen können. Das wird nicht ganz einfach. Einen billigen Desktop bauen ist leicht, schon klar, aber einen günstigen _PowerMac_, der den Namen verdient, Apple-like ist, quasi wieder eine Art Alleinstellungsmerkmal bietet (welches auch immer das sein möge), gleichzeitig weder den iMac noch die “echten” PowerMacs kannibalisiert und keinen faulen Kompromiss darstellt — das ist eine Herausforderung. Aber die Nachfrage nach einem moderaten, erweiterbaren Desktoprechner existiert, da bin ich sicher.”

Bisher hat sich Apple an diese Herausforderung noch nicht herangewagt und die wenig rühmliche Entwicklung des PowerMac Cube zeigte bereits vor mehreren Jahren, dass Apple bei der Einführung neuer Produkte eben ausgesprochen vorsichtig agieren muss, um die bestehenden Produkte nicht zu kannibalischeren. In der heutigen Zeit kommt es eben nicht nur auf die absoluten Verkaufszahlen an, sondern eben auch darauf, dass eine möglichst hohe Stückzahl jeder einzelnen Modellreihe abgesetzt werden kann. Apple baut nicht umsonst leistungsfähige Geräte, die sich aber auf verschiedene Weisen deutlich von dem “Allrounder” MacPro abgrenzen.

Dennoch bleibt auf Kundenseite ein Bedarf nach einem erweiterteren Gerät, dass sich zwischen dem Mac mini und dem MacPro positioniert, insbesondere mit Blick auf die vieldiskutierte Gruppe der “Switcher”, die eben bisher ganz anders großgeworden sind:

“Schließt die Lücke im Line UP: Es gibt einen MINI, einen PRO, aber keinen “MAC”. Soll heißen, dass der klassische “PC Käufer” sich sowohl mit dem mini (Festplatte!, Grafik! Erweiterung!) schwer tut, und ein Mac Pro wieder an der Grenze der Bezahlbarkeit für den Alltag liegt. Preisgünstige Erweiterung um 2. 3,5″ Festplatte 4 Steckplätze für Speicher 2 PCI Gehäuse könnte ruhig Richtung Cube gehen. Im Kollegen- und Verwandtschaftskreis allein wäre ein halbes Dutzend sofort verkauft. Der mini ist da zwar cool aber eben ein wenig zu schwach.”

MacCube - (c) Isamu Sanada
Abbildung von Apple-Style.com; © copyright Apple-Style.com

2 Reaktionen zu “MacPro mini oder MacSemiPro”

  1. Daniel

    Grundsätzlich teile ich die Ansicht, dass es für Apple interessant wäre, eine neue, dritte Produktlinie einzuführen, die eine Brücke zwischen der Pro- und der Consumer-Linie schlägt. Nicht zuletzt weil Produkte dieser Reihe für mich persönlich von höchstem Interesse wären ;-)

    Schwierigkeiten bereiten mir allerdings, die von den Teilnehmern der Studie eingebrachten Modelbezichnungen. Mac Semi Pro? Klingt eher nach 100$-Dollar-Gerät als nach einem Computer, der sich an beschriebener Stelle in das Apple Produkt Portfolio einfügt. Semi pro klingt mir einfach zu sehr nach “Amateur”, “weniger” usw. Wer aber will schon “Halbe Sachen” (ausser natürlich einem halben Hähnchen ;-)

    Auch die Bezeichnung MacPro mini finde ich nur bedingt zutreffend, besser fände ich die umgekehrte Variante “Mac mini pro”. So wird dem Käufer suggeriert, dass er mehr als einen Mac mini bekommt und nicht einen kleinen, abgespeckten (halben) MacPro.

    Dassselbe gilt aus meiner Sicht auch für den portablen Bereich: MacBook mini klingt ebenfalls eher nach einem Modell, das sich noch unter der Consumer-Linie eingliedert, also ein MacBook für Kinder?! Eine bessere, treffendere Bezeichnung fällt mir auf Anhieb allerdings auch nicht ein…

  2. Alexander

    Mit Blick auf die Produkt-Matrix weiter oben ist der Einwand sicher berechtigt - Der Mac mini als einzig real existierendes “mini” Produkt wurde dort als “Consumer”-Produkt klassifiziert, während die beiden hypothetischen “mini”-Produkte weiter rechts als “Prosumer”- bzw. “Pro”-Produkte klassifiziert wurden. Ob das “mini” Label also tatsächlich passt, solle weiter “diskutiert” werden.

    Was die Notebooks angeht, so gab es da dort mal das berühmte “Duo” … meiner Meinung nach passend, aber ob dieser Begriff noch einmal aufgewärmt wird, ist sicher fraglich …

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