Erfahrungsbericht Nike + iPod

 10. Oktober 2006, veröffentlicht von Alexander

Seit einigen Wochen ist in England das Nike+ Sport Kit für den iPod nano erhältlich. Wie so häufig, lag ich auch hier mit meiner ersten Einschätzung sensationell daneben, denn anfangs kam mir die Idee einer Kombination zwischen iPod und Sportschuh etwas seltsam, wenn nicht sogar komplett unnütz vor. Aber das dachte ich auch bereits vor einigen Jahren, als Apple begann, mit zahlreichen Automobilherstellern zusammenzuarbeiten, um eine bessere Integration des iPod in aktuelle Fahrzeugmodelle zu gewährleisten.

Mittlerweile ist die Kfz-Integration zu einem wichtigen Differenzierungsmerkmal des iPod gegenüber der Konkurrenz geworden und wer schon einmal eine richtige Integration des iPod in den Bordcomputer, beispielsweise der aktuellen BMW 5er Reihe gesehen hat, der weiß, wovon ich spreche. Da bin ich mit meinem Kassetten-Adapter noch Lichtjahre von entfernt.

Aber zurück zum Nike+iPod Sport Kit. Wie gesagt, kam mir dieses Accessoire zunächst ebenfalls sehr seltsam vor und ich erwischte mich auch bei dem Gedanken, dass ich es schon beachtlich fand, dass Apple tatsächlich Zeit hat, sich mit so einem Firlefanz aufzuhalten. Da ich aber im Frühjahr nach vielen Jahren begonnen hatte, wieder regelmäßig zu laufen, entwickelte sich aber doch ein wachsendes Interesse an diesem neuen Gadget. Als bekennendes Kind der 80er war ich bei Laufschuhen aber noch 100%ig auf New Balance oder Brooks Modelle geeicht, so dass der erste Schritt zunächst einmal darin bestand, sich mit diesen lächerlich bunten Nike-Modellen auseinanderzusetzen. Ganz bin ich darüber immer noch nicht hinweg (mein aktuelles Modell ist weiß, schwarz und … uhm … gelb!), aber man gewöhnt sich ja bekanntlich an vieles.

Nike+ Produkte
Teil der Nike+ Website - http://www.nike.com/nikeplus/

Nun renne ich also tagein und tagaus mit gelb bepinselten Schuhen durch das wunderschöne Birmingham und erfreue mich an Nikes gelungenem iPod-Accessoire. Das Gerät an sich ist unscheinbar und verrichtet seine Arbeit unaufdringlich, der Sender im Schuh ist allerdings so glatt, dass er manchmal aus seinem vorgesehenen Platz in der Schuhsole der iPod-kompatiblen (!!) Nike+ Modelle rutscht … was bei manchen Sohlen zu einem etwas umständlichen Gefummel führen kann, bis das Dingen wieder richtig sitzt.

Der Empfänger wird an den iPod gesteckt und funktioniert ohne jegliche Installation, jedoch nur mit dem iPod nano. Sämtliche mir bisher bekannten iPod-Armbänder lassen sich allerdings nicht mehr verwenden, da der iPod durch den Empfänger leicht verlängert wird. Am sinnvollsten ist daher der Kauf des neuen Armbandes von Nike, das genau auf diese Kombination abgestimmt wurde. Nike bietet auch Oberteile sowie Hosen für Läufer an, in denen ebenfalls ein iPod nano samt Nike+ Empfänger Platz findet. Diese Accessoires wurden mir im hiesigen Apple Store empfohlen, weil sie genauso viel kosten, wie das Nike+ Armband (knapp 20 Pfund, ca. 30 Euro).

Die Benutzerführung sowie die Bedienung des Gerätes ist absolut vorbildlich gelöst und nach nur wenigen Stunden haben ich bereits begonnen, es Nike nicht mehr ganz so übel zu nehmen, dass sie mich dazu zwingen, in absolut lächerlichen Schuhen herumzulaufen. Sobald der Empfänger mit dem iPod nano verbunden ist, erscheint ein weiterer Menüpunkt, in dem sich sämtliche Einstellungen für die Nike+iPod Erweiterung vornehmen lassen. So lässt sich vor jedem Lauf festlegen, ob man eine vorgegebene Distanz zurücklegen möchte, oder eine bestimmte Zeit laufen möchte. Darüber hinaus ist es auch möglich, die Anzahl an Kalorien vorzugeben, die man während eines Laufs verbrauchen möchte. Nachdem diese Einstellung vorgenommen wurde, muss lediglich noch die Wiedergabeliste ausgewählt werden, die abgespielt werden soll und dann geht es auch schon los: Die Verbindung mit dem Sensor im Schuh wird kurz geprüft und der Status wird dem Läufer wahlweise durch eine Frauen- oder Männerstimme mitgeteilt. Ebenso werden sämtliche Aktionsmöglichkeiten sowie die Statusmeldungen über die iPod-Kopfhörer ausgegeben. Etwaige neue Rekorde werden von bekannten Sportlern am Ende eines Trainings kommuniziert, eine wirklich nette Idee.

In den Einstellungen ist es auch möglich, einen “PowerSong” anzugeben, also das Lied, mit dem jedes Training begonnen wird. Das klingt zunächst etwas seltsam, stellt sich aber schnell als klasse Motivations-Stütze heraus.

Insgesamt ist das Nike+iPod Sport Kit eine klasse Ergänzung für jeden Jogger, besonders für unmotivierte Gelegenheitsläufer wie ich es einer bin. Es wäre mir nie in den Sinn gekommen, dass es tatsächlich motiviert, genau zu wissen, wie lange man bereits läuft und welche Strecke man letztendlich zurückgelegt hat. Wenn das Ganze dann auch noch so liebevoll gestaltet und professionell umgesetzt wird, wie es bei dem Sport Kit der Fall ist, dann kann ein Produkt wirklich begeistern. Allerdings bietet Nike auf einer extra Webseite für Benutzer des SportKits noch eine eigene Community, in der die eigenen Leistungen verwaltet werden können. Das ist bereits jetzt sehr hilfreich und wurde ausgesprochen ansprechend gestaltet, so dass nur zu hoffen bleibt, dass Nike viele der sich daraus resultierenden Community-Möglichkeiten, zukünftig auch umsetzen wird.

Mein einziges Problem hat dann auch gar nichts direkt mit dem Nike+iPod Sport Kit zu tun, sondern mit meinem aktuellen 4GB nano (1G), denn dieser macht seit der letzten Woche völlig ungekannte Zicken und verweigert von Zeit zu Zeit die Nutzung des Click-Wheels. In Apples Diskussionsforen wird darüber spekuliert, dass dies mit der Feuchtigkeitsenwicklung durch das Sport Kit zusammenhängt und das der robuste Einsatz eines herkömmlichen Föhns (!!) Abhilfe schafft. In der Tat trat das Problem auch bei mir erst auf, nachdem ich letzte Woche eine Runde im obligatorischen Birminghamer Regen gedreht hatte. Der Föhn-Einsatz einige Tage später (ja, ich habe meinen iPod tatsächlich geföhnt …) hat dann auch – leider nur für kurze Zeit – Abhilfe geschaffen. Aktuell funktioniert das Gerät mal wieder, allerdings hat mein Vertrauen in die Robustheit eines iPod nano deutlich gelitten (heute feiert mein nano übrigens sein Geburtstag - 1 Jahr und 1 Monat ist er alt geworden).

Ja ja … “for years” …

Zum Schluss noch ein paar Lieder, die meiner Meinung nach ab einer Strecke von fünf Kilometer absolute Pflicht sind (Links führen in den iTunes Store):

  1. Queen: “Don’t stop me now” (mehr Stereotyp geht einfach nicht)
  2. Mama Cass: “Make your own kind of music
  3. Udo Lindenberg: “Riki Masorati” (er ist und bleibt unser größter - lebender - Poet)

Als PowerSong weiterhin ungeschlagen: “1980-F” von After the Fire, einem One-Hit-Wonder, das einige von uns noch aus dem TV kennen … na sowas ….

 

Alexander ReppelÜber den Autor:
Alexander Reppel ist Lecturer im Fach Marketing am Royal Holloway College der Universtät London. Die iDelphi-Webseite hat er ins Leben gerufen, da ihm in seinem Bekanntenkreis schon lange niemand mehr zuhört, wenn er über die Firma Apple philosophiert.
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Eine Reaktion zu “Erfahrungsbericht Nike + iPod”

  1. Anke Richter

    Ja, so kann man sich irren! Aber tröste dich, für mich wars anfangs auch unvorstellbar!
    LG Anke

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