Hurra, Hurra, das eBook, das ist wider da!
Auf macnews.de wurde vor zwei Tagen über den Neustart beim eBook berichtet, ausgelöst durch einer Produktneuvorstellung der Firma Adobe, welche “die finale Version von Digital Editons vorgestellt [hat], einem Flash-basierten Reader für Inhalte auf Basis von PDF und XML”. Etwas wackelig scheint die ganze Angelegenheit noch zu sein, allerdings sieht der Reader nett aus und orientiert sich - zumindest grundsätzlich - an Delicious Library.
Im folgenden möchte ich mich aber über den Nutzen elektronischer Bücher im Allgemeinen und im Lehrbetrieb im Besonderen auslassen. Ein ganz wesentlicher Aspekt wurde dabei bereits im macnews.de-Artikel angeführt: “Erfolg wird Adobes zweiter Anlauf in Sachen eBooks erst dann haben, wenn Digital Editions nicht nur auf Computern, sondern auch auf mobilen Endgeräten funktioniert.”
Persönliche Erfahrungen mit elektronischen Büchern
Wie es sich für eine solche Webseite gehört, möchte ich zunächst einmal ein paar persönliche Erfahrungen zum Besten geben, die ich selber in den vergangenen 10 Jahren mit elektronischen Büchern sammeln durfte. Denn wie bei jedem anderen Menschen sind auch meine Vorstellungen, Ideen und Erwartungen zu einem wesentlichen Teil in den eigenen Erfahrungen verankert. Dem würde man sich sicher bei Zeiten einmal gerne entziehen können, jedoch ist das nicht immer so ganz einfach. Daher: Statt Objektivität und aufgeklärte Analysen vorzutäuschen, erscheinen die eigenen Einschätzungen häufig umso gehaltvoller, wenn man sie einmal etwas genauer im Kontext persönlicher Erfahrungen betrachtet.
Nun gut … kommen wir dann also zur Sache: eBook. Neustart. Vor ca. 7-8 Jahren war ich noch felsenfest davon überzeugt, das hochmoderne “Organizer”, wie beispielsweise der Palm Pilot oder der Palm V, tatsächlich sinnvoll sind. Und jeder, der ein solches Verhalten als jugendlich-unbedarftes Technikvertrauen entschuldigt, kann sich meines erleichterten Dankes sicher sein. Zu dieser Zeit war ich tatsächlich davon überzeugt, dass die Technik an sich bereits dazu in der Lage ist, für mehr Effizienz im (Arbeits-)Leben zu sorgen und auch ganz allgemein dazu in der Lage ist, mir bei der Organisation meines Lebens behilflich zu sein. Kläglich, einfach nur kläglich. Nicht etwa, dass ich damals so gedacht habe, sondern, dass es so viele Jahre gedauert hat, bis ich in der Lage war, mir dieses Problem bewusst zu werden.
Heute benutze ich kein Mobiltelefon mehr und auch die Vielzahl der verschlissenen “(Un-)Organizer” ist schon lange in der Mottenkiste verschwunden. Statt dessen: E-Mail, Instant Messenging, ein schnöder Terminkalender aus Papier und diverse Notizbücher. Zwar werde ich nie so schreiben wie Hemingway, aber immerhin benutze ich schon mal das gleiche Notizbuch.
Nun komme ich aber doch einmal zum Punkt. Denn obwohl alle diese lächerlichen kleinen Geräte mein Leben nur komplizierter gemacht haben, so gab es doch eine Sache, über die ich eher durch Zufall gestolpert bin (”Irgendwas Nützliches muss das Dingen doch bieten - aah, eine neue Software, schell mal installieren!”): Ab dem Palm V konnte ich PDF-Dokumente konvertieren und auf dem Winz-Display des Organizers betrachten. Dabei war es sogar möglich, Lesezeichen anzulegen. Alles keine Hexerei, aber ich war damals schwer beeindruckt - war die Software erst einmal installiert, hat das Ganze auch problemlos funktioniert.
Da ich damals mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit gefahren bin, standen jeden Tag gute 90 Minuten Zeit zur Verfügung, die ich mit Lesen verbringen konnte. Spätestens am Mittwoch war aber bereits das Impressum des SPIEGEL geschafft und auch die Ach-so-wichtigen Berichte und Reports der Kollegen und Vorgesetzten waren längst abgefrühstückt. Da war es dann schon nett, jederzeit Zugriff auf ein eBook zu haben. Natürlich: In den letzten Jahren haben Hörbücher und Podcasts diese Rolle übernommen und die sind sogar während einer Autofahrt konsumierbar. Wenn ich mir aber doch vor Augen führe, wie häufig ich mittlerweile die Google Büchersuche sowie die “Search inside” Funktion bei Amazon nutze, dann denke ich doch, dass eBooks in einigen Situationen durchaus sinnvoll sein könnten und eine “Renaissance” verdient haben.
Da ändert auch der folgende, von einem Leser auf macnews.de verfasste, Kommentar nichts (dem ich ansonsten vom Gefühl her uneingeschränkt zustimmen würde):
“Hat mal jemand recherchiert, wie groß die Anzahl “analog” verfügbarer Bücher ist? Es wird mir ewig ein Rätsel bleiben, was man mit einem eBook soll, wenn man es als Konkurrenz/Ersatz für ein schönes, gebundenes Papierbuch sieht. Letzteres braucht keinen Strom, ich kann es fallen lassen, ohne dass es ernsthaften Schaden nimmt, ich brauche kein extra Gerät dazu usw., usw.”
Nochmal: Am Computer in Büchern nachzuschlagen, macht meiner Meinung nach durchaus Sinn, am Computer jedoch Bücher lesen zu wollen, halte ich hingegen für weniger sinnvoll. Was fehlt, ist zum einen eine gute Hardware, um ein elektronischen Buch lesen zu können und zum anderen ein passendes Angebot an entsprechender Literatur.