iTunes, das Anti-Monopol Monopol?

 25. Januar 2007, veröffentlicht von Alexander

Sowohl bei iPodObserver, also auch bei TheRegister wurde über Bemühungen innerhalb Europas berichtet, Apple notfalls dazu zu zwingen, sein FairPlay DRM zu öffnen und somit für Konkurrenten zugänglich zu machen.

Einerseits leuchtet eine solche Reaktion ein, denn Apple entwickelt auch in Europa eine (fast) marktbeherrschende Stellung bei digitalen Downloads. In Deutschland mag das noch nicht der Fall sein, durch seinen globalen Ansatz hat Apple aber langfristig doch die deutlich besseren Karten.

Für Apple-Anhänger ist diese Situation noch etwas ungewohnt, war man doch in der Vergangenheit damit beschäftigt, ähnlich Verfahren zu begrüßen, da diese gewöhnlich gegen Microsoft gerichtet waren, eine Firma, die über viele Jahre mehr als ein Quasi-Monopol aufbauen konnte.

Nun also auch Apple. Aber anstatt zu sagen: “Gleiches Recht für alle”, möchte ich an dieser Stelle einen meiner Meinung nach sehr wesentlichen Grund ansprechen, warum den Kunden mit dem Vorgehen der Europäer kein Dienst erwiesen wird - ganz im Gegenteil.

Ein “freundliches” Monopol?

Aus Sicht der Kunden handelt es sich beim iTunes “Monopol” gar nicht wirklich um ein Monopol, laut Wikipedia definiert als “eine Marktsituation (Marktform), in der für ein ökonomisches Gut nur ein Anbieter oder Nachfrager existiert.” (link). Denn schließlich haben Kunden die Möglichkeit, ihre bei iTunes gekauften Lieder auf CD zu brennen und somit auch auf anderen Playern abzuspielen. Das gilt wohlgemerkt nur für Musik, nicht jedoch für Videos, die deutlich strengeren Auflagen unterliegen.

Genau hier setzt meine Argumentation an, denn das iTunes “Monopol” ist doch tatsächlich ein “Monopol”, das nur für solche Firmen eine Beeinträchtigung darstellt, die sich eben gerne selber in einer solchen Position sehe würden.

Wer genau ist das? Zunächst einmal - wen wundert’s?!? - Microsoft, die ja mit dem Zune gerade unverholen zeigen, wie die DRM-Welt bei ihnen aussehen würde, sollten sich jemals genug Kunden für einen Kauf entscheiden.

Zum anderen geht es dabei aber vor allem um die Oberen der Musikindustrie, die ja bereits seit einiger Zeit eher unter der Dominanz des (ehemaligen) Computerherstellers Apple zu leiden haben, der beim Download ihrer Inhalte mittlerweile den Ton anzugeben scheint. Das ist hart für jemanden, der es bisher gewohnt war, auch die seltsamsten Entscheidungen ohne viel Gegenwehr durchgedrückt zu bekommen.

Der Zweck heiligt die Mittel?

Hier wird nun sicher der ein- oder andere einwerfen, dass meine Ausführungen letztendlich nichts weiter sagen, als “der Zweck heiligt die Mittel” und offensichtlich bewerte ich ein eventuelles Apple-Monopol anders als ein eventuelles Microsoft-Monopol.

Dabei will ich versuchen, um eine philosophische Diskussion herumzukommen, allerdings ist es für mich klar, dass es in beiden Punkten - wie so oft im Leben - eben keine universelle Antwort geben kann. Ja, manchmal heiligt der Zweck die Mittel, nein, oftmals aber eben auch nicht.

Gleiches gilt darüber hinaus auch für ein Monopol - es kommt in der Tat darauf an, wer es besitzt. Denn: Ein Monopol ist zunächst einmal weder positiv noch negativ. Es kann aber ganz schnell in die ein- oder andere Richtung entwickelt werden, eben abhängig von dem, der es erreicht hat.

Hier hat sich Microsoft in der Vergangenheit nicht mit Ruhm bekleckert und Apple hat - wenn man die iTunes/iPod Integration tatsächlich als Monopol bezeichnen möchte - bisher eben noch nichts getan, das auf Kosten seiner Kunden geht. Sonst würden diese doch in Scharen ihre gekauften Musiktitel auf CD brennen und auf den Geräten anderer Hersteller abspielen.

Daher komme ich nun - endlich! - zu dem für mich zentralen Punkt: Ein Monopol sollte daran gemessen werden, ob es dem Kunden schadet, nicht daran, ob es Konkurrenten das Leben schwermacht.

 

Alexander ReppelÜber den Autor:
Alexander Reppel ist Lecturer im Fach Marketing am Royal Holloway College der Universtät London. Die iDelphi-Webseite hat er ins Leben gerufen, da ihm in seinem Bekanntenkreis schon lange niemand mehr zuhört, wenn er über die Firma Apple philosophiert.
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